Verein für Freizeit und Familiensport Dessau e.V.
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unser Gelände
Wappen Dessau

Zur Geschichte unseres Geländes

1. Teil: Die Anfänge bis zum Ende des Krieges (von Otto Böhme, Ehrenmitglied des Vereins)
Anfang der 20er Jahre hatte sich eine Interessengemeinschaft für das Nacktbaden in Dessau gebildet. Zu den Pionieren des organisierten Nacktbadens gehörte der Ministerialbeamte Richard Pflug. Er ermöglichte mit polizeilicher Zustimmung das Nacktbaden an der Elbe. Da aber der weg zur Elbe in Höhe Rotall beschwerlich und weit war, erwirkte Pflug mit behördlicher Genehmigung die Nutzung von Trockenwiesen im Kiebitzheger an der Mulde. Unser Pachtgelände befindet sich in diesem Raum.
Auf die Wiese zu Nackedei!
Die Organisationsform war nur lose. Im Wesentlichen, und nicht immer, wurde ein geringer Mitgliedsbeitrag kassiert. Es war eine Gemeinschaft Gleichgesinnter ohne Vorstand und festgelegte Regeln. So kann von einer Mitgliedschaft im Sinne des Wortes nicht gesprochen werden. Man kam und ging, wie und wann man wollte, um eben nur nackt zu baden. Im Sprachgebrauch bürgerte sich ein: "Wir gehen auf die Wiese zu Nackedei!"
Die dort Badenden kamen in der Regel aus einfachen Arbeiterverhältnissen. So mancher Individualist war dabei, wie der damals als Naturapostel stadtbekannte Willi Poper, der nachdem Beispiel von Gustav Nagel oft öffentliches Aufsehen erregte.
Im Hinteren Tiergarten hatten die in Dessau stark vertretenen "Naturfreunde", die der Arbeiterbewegung und der SPD nahe standen, ihr Naturfreundehaus, dessen Standort heute nicht mehr auffindbar ist. Es blieb nicht aus, dass aus dieser Gruppierung eine Anzahl zu ,,Nackedei" kam und dort mitwirkte.
Die Linken und die Rechten
Zunehmende Politisierung, insbesondere durch Angehörige des KJV (Kommunistischer Jugendverband), setzte ein. Arbeitslosentreff und anderes ließen den ursprünglichen FKK-Gedanken in den Hintergrund treten. "Rot Front!" gewann die Oberhand. Es bildeten sich Gruppen, die sich absonderten. Die Älteren bauten eigene, laubenähnlich Buden. Die "Naturfreunde" isolierten sich an einem anderen Ende des Geländes.
Ende der 20er Jahre wurde das Geschehen auf der "Wiese" (Kiebitzheger)und die FKK-Bewegung in Dessau im Wesentlichen durch die Einflussnahme von Karl Bückmann bestimmt. Als politisch rechts stehender und denkender junger Mensch, der zugleich in der Wandervogelbewegung eine Rolle spielte, sonderte er sich mit einigen Jugendlichen und guten Sportlern ab, und sie bauten ein neues Gelände auf. Dieses entstand auf den Trockenwiesen gegenüber dem jetzigen Paul-Greifzu-Stadion. Die Dominanz des neuen Geländes drückte sich aus, indem alsbald ein festes Haus - die so genannte Hütte - im Hochwassergebiet genehmigt und gebaut wurde. Hierzu muss darauf verwiesen werden, dass Bückmann in gehobenem Behördendienst stand und Möglichkeiten der Einflussnahme hatte.
Zwei FKK-Gelände
Somit bildete sich in der Zeit 1928/30 zwei Dessauer FKK-Gelände heraus: Dessau-Süd, das Gelände am Kiebitzheger, das heute vom VFFK genutzt wird, und Dessau-Nord, das bis 1945 dominierte. Über die Mitgliederbewegung auf beiden Geländen liegen keine Unterlagen mehr vor. Diese befanden sich im Hause Bückmann und gingen 1945 mit der Enteignung dieser Familie verloren.
Die große Zeit des Geländes Dessau-Nord begann nach 1933 mit der Aufnahme in den Bund für Leibeszucht (BfL), worüber Schriftliches in der Verbandszeitung "FKK" vorliegt. Im April 1935 kam ich nach meinem Zuzug als Junkers-Facharbeiter nach Dessau auf das Gelände. Nach meiner persönlichen Einschätzung wurde das Leben auf diesem Gelände im Wesentlichen bestimmt durch:
  1. den Einfluss der Wandervogelbewegung,
  2. den Vorrang von sportlicher Bewegung und Leistungsstreben,
  3. das Vorhandensein einer ausreichend großen Hütte als Unterkunft für jede Jahreszeit.

Alkohol und Nikotin tabu
Der BfL wurde nach nazistischen Prinzipien geleitet. Ein Vereinsgesetz gab es nicht mehr, es galt das Führerprinzip. In diesem Sinne fungierte Karl Bückmann nicht nur auf dem Dessauer Gelände, sondern zugleich als Reichsführer. In Dessau - ähnlich war es auf anderen Geländen - wurde dies aber nicht übertrieben, sondern für damalige Verhältnisse äußerst liberal und im Sinne von Gemeinsamkeit gehandhabt. Da sich die Prinzipien und Traditionen der Wandervogelbewegung auch in den Zielen und Absichten der FKK-Bewegung widerspiegelten und vor allem die gesunde Lebenshaltung betonte waren das "Du" und die Ablehnung von Alkohol und Nikotin oberstes Gebot.
Sportliche Betätigung dominierte
Im Sommerhalbjahr war das Vereinsleben von außerordentlicher Vielfalt, obwohl: Es wurde nicht gezeltet und gecampt, abends ging es in jedem Fall nach Hause. Man verfügte über keinen Stromanschluss. Zum Komfort dienten eine Handpumpe zur Wassergewinnung, ein hochgelagertes Fass als Dusche und ein Trockenklo. Zum Nacktbaden stand ein kleiner Teich vor dem Gelände zur Verfügung, in der Mulde durfte nur bekleidet gebadet werden.
Es dominierte die sportliche Betätigung. Faustball stand im Vordergrund. Diskus und Speerwerfen, Hoch- und Weitsprung sowie Kugelstoßen waren obligatorisch. Waldlauf durch den Tiergarten - bekleidet natürlich - war sehr beliebt.
Aber auch die regelmäßigen Heimabende standen über das ganze Jahr an.
Da ein bestimmtes Elite-Denken durch hervorragende Körper und entsprechende Schaustellung gefördert wurde, gab es den "harten Kern" der Spitzensportler die sich aber insgesamt in die Gemeinschaft einordneten.
Da man am Schönitzer See mit dem Wallwachhaus östlich hinter Wörlitz (Taubenhaus) eine Wiese gepachtet hatte, wurde regelmäßig mit dem Rad sowie mit Kind und Kegel nach dort gefahren. Jahreshöhepunkt war die Sonnenwendfeier, die jedes Mal viele Teilnehmer von nah und fern anlockte.
Im Winterhalbjahr standen das wöchentliche Schwimmen in der Stadtschwimmhalle, Turnen und Völkerball mit dem Medizinball in der Turnhalle und für einen bestimmten Teil auch das Volkstanzen im Vordergrund.
Es muss beachtet werden, dass wir damals in der Mehrzahl junge Familien mit kleinen Kindern waren. Das geringe Durchschnittsalter wirkte sich günstig auf Elan und Bereitschaft aus.
Zum Gelände führte kein Fahrweg. Das war auch nicht so entscheidend, besaß doch nur ein einziges Mitglied ein Auto. Somit stand das Fahrrad im Vordergrund.
Im Winter gab es im Allgäu/Gunzenrieder Säge ein reichsoffenes Skilager, an dem stets einige Dessauer, mit Karl Bückmann an der Spitze, teilnahmen. An den Sommerlagern am Plauer See und am Motzensee bei Berlin habe ich persönlich teilgenommen. In Dessau, Leipzig und Berlin fanden häufig zentrale Treffen von FKK-Freunden statt, bei denen rege sportlich gewetteifert wurde.
Bomben zerstörten Gelände
Mit Kriegsbeginn im September 1939 litt das Vereinsleben. In den ersten Kriegsjahren war noch einigermaßen Geländebetrieb möglich. Mit der Zeit der Fliegeralarme und Luftangriffe, der zunehmenden Einberufung zum Wehrdienst, sowie der Einführung der 12-Stunden-Arbeitszeit bei Junkers und natürlich auch der Verschlechterung der allgemeinen Lebenslage erfolgte ein Rückgang. Der Luftangriff vom 7. März 1945, bei dem die Hütte zerstört und das Gelände stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, zog den totalen Niedergang nach sich. Das Gelände Dessau-Nord hörte auf, als solches zu existieren.
Neubeginn nach dem Krieg
Einige Enthusiasten, wie die Familien Karnstedt und Wunderlich, setzten das unorganisierte Nacktbaden - entgegen der allgemeinen Badeordnung - sozusagen illegal auf dem Gelände Dessau-Süd fort. Unter diesen zweifelhaften Bedingungen erfolgte dies bis Ende der 50er Jahre. Mit dem Erscheinen von Richard Bringezu wurde dieser Zustand beendet.
Über die dann organisierte Form berichtet ausführlich die von Bringezu angelegte Chronik, deshalb hier nur kurz noch so viel: Am 1. April 1963 war Baubeginn des Heimes. Per 1.Juli 1963 bildete sich aus den FKK-Freunden die SG "Sport frei" im Deutschen Turn- und Sportbund, Kreisverband Dessau. Zu diesem Zeitpunkt war das Heim fertig und eingerichtet. An drei Seiten- außer an der Fensterseite- standen Kisten mit aufklappbaren Deckeln. Sie dienten zum Sitzen und zum Aufbewahren von Utensilien. Einzelne Familien und Mitglieder machten davon Gebrauch. Auf dem Gelände gab es nach wie vor keinen elektrischen Strom. Das Wasser kam immer noch aus Handpumpen. Als Dusche diente ein Gestell mit einem eisernen Fass in etwa 2.50 Meter Höhe. Als Toilette diente ein Ein-Zylinder-Trockenklo.
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